Er hat die deutschen Judo-Frauen voll im Griff und ist einer der erfolgreichsten Judo-Trainer in der Welt: Frauen-Bundestrainer Norbert Littkopf, in Judo-Kreisen eigentlich immer nur "Nobsch" genannt, versteht es auf hervorragende Weise, die Judo-Frauen zu motivieren und auf den Punkt top fit zu machen.
Seine Erfolge geben ihm Recht. Er hat bereits unglaubliche 82 internationale Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen auf seinem Trainer-Konto, davon 19 Mal Gold, 15 Mal Silber und 48 Bronzemedaillen! Aber es reicht ihm noch nicht. Für Olympia 2008 hat er sich viel vorgenommen.
"Ich bin sehr glücklich, dass ich die volle Mannschaft dabei habe. Jetzt wollen wir den Punkt auf das i setzen“, gibt er hohe Ziele vor. Alle sieben Athletinnen fahren nicht chancenlos nach Peking. Norbert Littkopf hat sie gut motiviert, möglichst eine gute Platzierung zu machen und wenn’s gut läuft sogar eine Medaille. Und er hat ihnen im letzten Trainingscamp in Kienbaum den letzten Schliff gegeben.
„Es ist mein Wunsch, in meinem letzten großen Wettkampf noch mal richtig zuschlagen zu können. Dass es schwer wird weiß ich, aber wir sind nicht chancenlos. Jede, die hinfährt, rechnet sich was aus und wir hoffen, dass wir wieder so gut sind wie vor vier Jahren“, gibt er sich souverän.
Er selbst hat erst 1961 mit Judo begonnen. "Ich hab leider viel zu spät angefangen, um international noch ein Wörtchen mitreden zu können" gibt sich der national durchaus erfolgreiche Sportler Littkopf bescheiden.
Aber Judo hat ihn so fasziniert, dass er dafür sogar die Hochschule gewechselt hat und von der Fachrichtung Sport/Geografie in Greifswald nach Leipzig ging, um dort 1969 das Sport-Diplom als Trainer abzulegen.
Drei Jahre Trainertätigkeit im Nachwuchsbereich folgten und dann übernahm er die Verantwortung für die Spitzen-Männer in Leipzig.
Seit 1990 ist er Bundestrainer der Frauen und hat die Frauen in Deutschland überhaupt erst mal „salonfähig“ gemacht. Immerhin gibt es Frauen-Judo erst seit 1992 als Olympische Sportart.
Der WM-Titel von Johanna Hagn ist sicher ebenso ein Höhepunkt in seiner Trainerlaufbahn gewesen wie der Olympiasieg von Yvonne Bönisch. Aber auch vier Vize-WM-Titel (Bönisch 2x, Anja von Rekowski und Raffaella Imbriani) und viele weitere Olympia-, WM- und EM-Medaillen sind eine stattliche Anzahl an Spitzenerfolgen.
Für seine Mädels ist er schon fast so etwas wie ein Vater geworden. Seine Fairness und Harmonie, die er immer wieder in die Mannschaft bringt und den Teamgeist, den er unterstützt, geben den Mädels Motivation und Vertrauen. Sein besonderes Plus ist sein Hobby, die Musik. Er, der zehn Instrumente spielt, bringt mit der Musik immer wieder viel Stimmung in die Trainingscamps und anderen Veranstaltungen hinein. Das motiviert die Athletinnen auch immer wieder, sich selbst kulturell einzubringen. So haben einige Sportlerinnen zum Beispiel auch für den Grillabend in Kienbaum ein Lied vorbereitet, in dem alle Olympia-Teilnehmerinnen und ihr Trainer mit ihren Stärken und Schwächen vorgestellt werden und die Wünsche sie nach Peking begleiten sollen.

Norbert Littkopf, der kurz vor den Olympischen Spielen seinen 64. Geburtstag gefeiert hat, wird Peking 2008 als letzten internationalen Wettkampf bestreiten. Nach den Olympischen Spielen beendet der zweimalige „Judo-Trainer des Jahres in Europa“ seine Trainerlaufbahn. „Mein Nachfolger soll den neuen Olympiazyklus von Beginn an selbst gestalten“, sagt der Leipziger.
Was danach kommt, weiß er noch nicht so ganz. „Ich habe viel zu wenig nachgedacht, was wird danach! Ich will erst mal eine Aufgabe richtig lösen und dann sehe ich weiter.“
Sicher werden aber seine Hobbys wieder in den Vordergrund treten. „Es ist schön, wenn man ein Hobby beendet und dann noch weitere Hobbys hat“, beschreibt er seine Liebe zum Judo, aber auch für die Zukunft.
Erst mal wird er sicher eine Pause einlegen, Abstand gewinnen und dann vor allem der Musik wieder stärker frönen, alte Freundschaften auffrischen, für die er über viele Jahre kein zuverlässiger Partner sein konnte, aber glücklicherweise auch viel Verständnis entgegengebracht bekam. „Ich hoffe, ich kann wieder mehr Wort halten.“ Er will wieder angeln gehen, dazu am liebsten mit Freunden auf die Ostsee raus fahren und er würde sich gern ein Boot kaufen und durch die Welt schippern.
Aber sicher wird auch die Judo-Fangemeinde, für die er schon immer eine große Identifikationsfigur ist, auch weiterhin „Nobsch“ auf den großen Wettkämpfen zumindest in Deutschland treffen. „Es wird schwer sein, mich an die Kette zu legen“, deutet er schon an, dass er auch nach seiner aktiven Laufbahn noch jede Menge vorhat.
Text und Fotos: Birgit Arendt

Erfolg zu haben und zu sehen, dass die Mädchen Erfolg haben und sich riesig freuen. Das ist mein Antrieb.
Dass ich so vielseitig bin. Ich habe in sehr viele Sportarten rein gerochen und gute Kontakte zu vielen Trainern auch aus anderen Sportarten. Und dann hab ich noch mein Hobby Musik, spiele viele Instrumente und finde dort meine Befriedigung.
Dass ich jetzt 14 Mädels für Olympia durch habe – sieben Nominierungen und sieben Ersatzkämpferinnen. Es gab so viele Hochs und Tiefs in meiner Karriere, aber das ist jetzt noch mal großartig.
Das weiß ich nicht…
Ich versetze mich bei wichtigen Entscheidungen oft zu sehr in die Menschen hinein, beachte das Soziale, die Gefühle und quäle mich dann mit dem Überbringen negativer Nachrichten.
Am Klavier – und beim Angeln
Ich hatte ein großes Trainervorbild: Willi Lorbeer. Er war ein toller Trainer und hat vielen als gutes Beispiel gegolten. Er war korrekt, anständig, mitreißend und hat richtig was drauf! So wollte ich auch immer werden.
Ich kann mich ganz gut steuern und wüsste jetzt nicht, was eine Versuchung für mich wäre.
Wenn ich die nur beherrschen würde!
Ärgere Dich nicht über Sachen, die Du nicht ändern kannst, sondern bemühe Dich, Dich darum zu kümmern, wo Du weißt, das kann was werden. Da setze Deine Kraft rein und bei den anderen Sachen, wo Du sowieso nichts ändern kannst – Klappe halten, weglassen!