Paralympics:

Trainer Stefan Saueressig

Portrait: Trainer Stefan Saueressig
Geboren am: 01.02.1965
Beruf: Rechtsanwalt
Graduierung: 5. Dan
Aktiv seit: 1973
Verein: Jukadio Heidelberg

Einer der beiden Trainer, die sich seit Jahren in der Förderung des Seh-Behindertenjudo engagieren, ist der Rechtsanwalt Stefan Saueressig.

Über Trainer Stefan Saueressig:

Er ist ein langjähriger Judoka, der bereits mit acht Jahren in München mit Judo begonnen hat. „Ich war für mein Alter recht klein und hielt es für eine gute Idee, wenn ich mich dieser damals noch nicht sehr bekannten Sportart zuwende“, gibt er seine Motivation für Judo preis.

Erst in München und dann in Mannheim und Heidelberg hat er immer sehr eifrig trainiert. „Zu den ganz großen Erfolgen als Kämpfer hat es jedoch nicht gereicht, was ich heute auf eine ungenügende technische Ausbildung, auf eine Reihe von Verletzungen, aber vor allem auf meine Psyche zurückführe. Ich war ein `Trainingsweltmeister`, der sein Potential im Wettkampf nur selten abrufen konnte“, schätzt er kritisch ein

Dennoch kämpfte er noch mit über 30 Jahren für Karlsruhe in der Bundesliga bis ihn dann seine Knie zwangen, die aktive Phase als Kämpfer zu beenden.

Judo ließ ihn aber nie mehr los. Er wusste früh, dass er ein Händchen für Kinder und Jugendliche hat und einen guten Zugang fand. Dadurch fing er bereits vor über 20 Jahren an, als Übungsleiter tätig zu sein. Die Ausbildungen bis zum Trainer-A und viele weitere Lehrgänge motivierten ihn immer wieder in seiner Trainerlaufbahn.

„Ich habe an vielen Lehrgängen teilgenommen, vor allem in Frankreich und war tief beeindruckt, wie stark die Trainer sind. Ältere Herrschaften mit `Bahnschranken` um den Bauch, die sich bewegten, als wären sie Anfang 20. Das hat meinen Ehrgeiz entfacht, auch mal ein guter Trainer zu werden.“

Ein Jahr vor den Paralympics in Sydney kam sein früherer Heidelberger Trainer Charly Gärtner auf ihn zu und fragte, ob er Lust hätte, ins Team einzusteigen. Anfangs noch zurückhaltend aber später mit viel Elan engagierte sich Stefan in dieser Arbeit.

Heute sagt er, dass er seine größten Erfolge als Trainer gefeiert habe. „Bei den Sehgeschädigten durfte ich Anteil haben an vielen Medaillen bei WM, EM und Paralympics, was mich auch mit viel Stolz erfüllt.“

Aber auch die Jugendarbeit im Verein hat Stefan weiter verfolgt. Er zieht seine Motivation für den unermüdlichen Einsatz in unserer Sportart aus dem Ehrgeiz, so viel wie möglich von seinem Wissen weiter zu geben. „Es ist toll, wenn Kämpferinnen und Kämpfer mit den Sachen, die ich ihnen gezeigt habe, Erfolg haben. Es ist toll, wenn eine Trainingsplanung aufgeht. Es ist eine gute Sache, Athletinnen und Athleten zu Wettkämpfen zu begleiten, die nur wenigen vorbehalten sind“, bringt er seine Begeisterungsfähigkeit auf den Punkt.

Beruflich hat er auch noch einen „normalen“ Alltag. Seit 1996 ist er zugelassener Rechtsanwalt, seit diesem Frühjahr Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht.

Dieser Beruf gibt ihm die Möglichkeit, seine Zeit selbst zu organisieren und so die Prioritäten für Beruf, Judo und Partnerschaft in einen vernünftigen Rahmen zu setzen. „Mein Leben ist im Privatbereich in vieler Hinsicht auf Judo ausgerichtet und ich bin froh, dass meine Partnerin das auch toleriert“, gibt er ein Kompliment an seine Lebenspartnerin.

Aber auch andere Sportarten faszinieren ihn. Ballspiele auf der Matte, ab und an Mountain-Bike-Fahren und Wandern sind Freizeitbeschäftigungen, denen er sehr gern nachgeht. Aber auch mit Freunden abhängen, Videos schauen und Lesen gehören dazu. Und er verrät noch eine kleine Leidenschaft: „Ich mag die Simpsons.“

Stefan Saueressig hat durch die Sportart Judo viel gelernt. „Der Umgang mit Menschen in Beruf und Freizeit, Respekt, Höflichkeit, auch Biss und Beharrlichkeit und auch eine gewisse Entschlossenheit sind Eigenschaften, die mich durch das Judo beeinflusst haben“, resümiert er und möchte noch lange diese Werte als Trainer an seine Sportler weitergeben.

Sein aktuelles Ziel als Trainer ist derzeit ausgerichtet auf Peking. Er schätzt ein, dass alle vier Starter durchaus eine Chance auf eine Medaille haben, auch auf die Goldene.

„Die beiden Frauen gehören zum Kreis der Top-Favoritinnen, sie sind die Gejagten. Die Männer haben beide ihre gute und realistische Chance auf eine Medaille. Im Judo aber ist vieles möglich und wir haben auch schon gesehen, dass die Besten einen schlechten Tag haben. Insofern erwarte ich, dass die Athleten das ihnen Mögliche leisten, ihr Bestes geben. Aber eben auch nicht weniger.“

Text: Birgit Arendt
Foto: Jens Erbstößer

Fragen an Trainer Stefan Saueressig:

Was treibt Dich an?

Im Beruf: die Möglichkeit zu helfen, die Pflicht und das Verdienen des Lebensunterhalts

Im Judo: Der Spaß, andere verlassen sich auf mich, und der Ehrgeiz, besser zu werden.

 

Was gefällt Dir an Dir besonders?

Ich halte mich für loyal und integer. Und mir gefällt meine Beharrlichkeit, einen Weg zu finden.

 

Auf welche eigene Leistung bist Du besonders stolz?

Dass ich trotz meiner zerstörten Knie wieder Judo machen und sogar als Bewegungsvorbild dienen kann. 

 

Was sagt man Dir nach?

Dass ich arrogant sei.

 

Was magst Du an Dir gar nicht?

Dass ich so schusselig und oft unbedacht bin. Dass ich so faul bei der Pflege von Freundschaften bin.

 

Wie kannst Du am besten entspannen?

Nach einem guten Training (Judo, Fahrrad, Ballspiel) in der Sauna sitzen, dann ein Bierchen trinken und dummes Zeug reden. Oder mit meiner Freundin eines feines Mahl bereiten und es mit Genuss verspeisen. Den Rest verrat ich nicht….

 

Als Kind wollte ich sein wie…?

Captain Kirk. Der hat immer eine Lösung gefunden. Auch wenn Scotty die phasengesteuerte Plasmaspule nicht hingekriegt hat ;-)

 

Wem würdest Du mit welcher Begründung einen Orden verleihen?

Demjenigen, der seine Stellung und Macht nutzt, um die Welt besser zu machen, auch ohne dass eine Kamera oder ein Journalist das mitkriegt.

 

Was ist für Dich eine Versuchung?

Die Aussicht, über den Sport noch mehr Menschen, Länder und Sitten kennen zu lernen. Und Schokolade…

 

Schenke uns Deine Lebensweisheit:

Eine Entscheidung hat immer auch den Verlust von Optionen zur Folge. Das macht Entscheidungen oft sehr schwer.

Daher gilt es, die Optionen abzuwägen.

Und wenn ich mich entschieden habe, dann darf ich den verlorenen Optionen nicht nachtrauern, sondern muss meinen Weg entschlossen weiter gehen. Auch wenn mir das schwer fällt.

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