Männer:

Ole Bischof -81 kg

Portrait: Ole Bischof
Geboren am: 27.08.1979
Größe: 1,80 m
Beruf: Student - Volkswirtschaft
Graduierung: 4. Dan
Aktiv seit: 1994
Trainer: Frank Wieneke
Verein: TSG Reutlingen
1. Trainer: Herr Draskoczy
1. Verein: TSG Reutlingen

Bei den Olympischen Spielen 2004 war er in der 81-Kilo-Klasse Ersatzmann, war jedoch seitdem international sehr erfolgreich. 2005 stand er schließlich zur Europameisterschaft ganz oben auf dem Treppchen, ebenso bei der Studenten-Weltmeisterschaft 2006. Im Jahr 2007 schied er bei der Weltmeisterschaft unglücklich aus, konnte sich aber durch Weltcup-Siege in Rotterdam 2007 und Madrid 2008 sowie weiteren Top-Platzierungen in der Qualifikation über die Olympia-Rangliste nach vorne kämpfen. Nun wird er Deutschland in Peking vertreten.

Über Ole Bischof:

Der 28-jährige ist einer der erfahrensten Athleten in der Olympia-Mannschaft. Durch seine Erfolge und die Vorbildrolle erhielt der Reutlinger, der für Abensberg in der Bundesliga kämpft, von seinen Sportkameraden das Vertrauen als Athletensprecher der Nationalmannschaft.

Ole Bischof kommt aus einer Familie, in der Sport immer einen sehr hohen Stellenwert hatte. "Klar, dass ich da im Turn-, Schwimm- und Fußballverein war. Ich habe auch sehr oft mit meinem Vater oder auch mit Kumpels spontan aus Jux am Boden rumgerungen. Wann ich aber richtig mit Judo begonnen habe - ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht mehr so genau."

Einerseits ist Ole durch seinen Vater, der den Rot-Weiß-Gurt trägt, schon als Kleinkind mit Judo in Kontakt gekommen. Andererseits hat er Judo erst mit etwa 14 Jahren zweimal in der Woche trainiert. „Judo fasziniert mich, weil das Training vielfältig und anspruchsvoll ist. Der besondere Reiz: Man kann in einem Zweikampf auf faire Weise eindeutig gewinnen. Also Vollkontakt, ohne den Gegner zu verletzen!“

Derzeit studiert der Reutlinger in Köln Volkswirtschaft und ist mitten in der Diplomarbeit. Olympia-Vorbereitung und das intensive Training fordern jedoch ihren Tribut. So schnell wirds dann doch nicht mit dem Abschluss. "Aber ich bin noch im Rennen. Ein paar Klausuren konnte ich im letzten Jahr wieder schaffen" gibt er zuversichtlich zu verstehen. „Jetzt muss ich noch zwei Klausuren plus Diplomarbeit fertig bringen, dann habe ich meinen Abschluss als Diplom-Volkswirt mit dem Schwerpunkt Statistik an einer der besten deutschen Unis für diesen Bereich gemacht.“

Auf das doch recht lange währende Studium angesprochen setzt er augenzwinkernd einen nach: "Dass ich an den Olympischen Spielen teilnehme, davon werden bestimmt noch meine Enkelkinder reden. Nach den Semestern die ich im Studium länger brauche fragt in zehn Jahren hoffentlich keiner mehr."

Der Traum von Olympia ist bei Ole Bischof familienbedingt schon sehr lange präsent. Durch seine sportbegeisterten Eltern kam er schon als kleines Kind mit Olympia in Kontakt. „Mein Vater war der Heimtrainer von Marc Meiling, als dieser 1988 in Seoul Silber gewann. Ich erinnere mich noch daran, dass ich diesen Finalkampf als Neunjähriger im Fernsehen sehen konnte. So habe ich schon als Kind davon geträumt an Olympia teilzunehmen.“ Da dann 1992 der Vater Teil der deutschen Delegation war, saß Ole bereits als Zwölfjähriger als Zuschauer in Barcelona im Stadion. „Jetzt, 20 Jahre nach Seoul, darf ich meinen Olympia-Traum wahr werden lassen.“

Fünfzehn Jahre Kampfsport auf höchstem Niveau überstand Ole Bischof bisher ohne größere Blessuren. „Von meinen Eltern habe ich einen sehr robusten Körper mitbekommen. Meine Verletzungen heilen schneller als bei anderen und vor allem vollständig.“

Auch im Ausdauerbereich und bei den Kraftwerten erzielt er überdurchschnittliche Werte. „Natürlich gelangt man hierzu vor allem durch viel Training. Mein Wille und Spaß am Sport ist wohl ein anderes Talent. Und meine großen Hände waren schon in der Schule ein Running-Gag.“

Bei all den positiven Eigenschaften sieht er auch kritische Momente: „Mein Trainer würde jetzt bestimmt sagen, dass ich immer etwas früher zum Training ins Dojo kommen könnte. Aber ich denke, dass ist schon okay so wie es ist. Ich bin halt immer genau rechtzeitig da und selten fünf Minuten zu früh.“

Zu den Olympischen Spielen in Peking will Ole Bischof in Top-Form an den Start gehen und im Wettkampf sein Bestes geben. „Eine Medaille wäre ein Traum – ein Terroranschlag ein Alptraum. Das erstere kann ich beeinflussen, also gebe ich hierfür mein Bestes und richte meine Gedanken darauf.“

Auch nach dem Jahreshöhepunkt wird Judo weiter eine Rolle im Leben von Ole Bischof spielen. „Egal, ob ich mit dem Judosport als Aktiver fortfahre oder mich ins Berufsleben stürze. Sicher ist, dass ich dem Judo in irgendeiner Weise treu bleibe. Ein Spruch wie „Jacke an den Nagel hängen“ wird von mir nicht kommen – dazu liebe ich den Sport zu sehr.“

 

Text und Fotos: Birgit Arendt

Sportliche Erfolge:

2008 Olympiasieger in Peking
2007 Teilnehmer Weltmeisterschaften in Rio de Janeiro
2006 5. Platz Europameisterschaften in Tampere
2005 Teilnehmer Weltmeisterschaften in Kairo
Europameister in Rotterdam
2004 Vizeeuropameister in Bukarest
Deutscher Meister in Lübeck
2001 Deutscher Meister in Hamm

Auszeichnungen und Ehrungen:

2007 Deutschlands Sportler des Jahres der Studenten

Fragen an Ole Bischof:

Was treibt Dich an?

Meine innere Stimme. Wir sind aber per Du.

Was gefällt Dir an Dir besonders?

Dass ich ab und an innehalten kann und mich dann freue, wie gut es mir doch geht.

Auf welche eigene Leistung bist Du besonders stolz?

Auf meine Olympiaqualifikation.

Was sagt man Dir nach?

Fleiß.

Was magst Du an Dir gar nicht?

Wenn ich mal wieder drei Stunden im Internet vertrödelt habe.

Wie kannst Du am besten entspannen?

Wenn ich alles erledigt habe, dann kann ich innerhalb von zwei Minuten überall einschlafen.

Als Jugendlicher wollte ich sein wie….?

Peter Schlatter - geiler Typ!! Oder sieht das irgendeine „Rübennase“ anders?

Wem würdest Du mit welcher Begründung einen Orden verleihen?

Allen Sponsoren im Judosport.

Was ist für Dich eine Versuchung?

Das Internet.

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Man muss auch gönnen können.

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